Jugoslawische Kriegsgefangene im Stalag III A

Titel: Jugoslawische Kriegsgefangene im Stalag III A
Thema: Unter dem Titel "History From Below" hat sich eine international zusammengesetzte Gruppe junger Erwachsener über einen längeren Zeitraum intensiv mit der Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Stalag III A bei Luckenwalde auseinandergesetzt. Bei dem Projekt ging es um das Schicksal der jugoslawischen Kriegsgefangenen aus dem Zweiten Weltkrieg. Der jugoslawische Friedhof in Luckenwalde wurde bei einem Arbeitseinsatz gepflegt, das Projekt mit einer Kamera begleitet, theoretische Kenntnisse zur Geschichtsvermittlung und Medienkampagnen erworben und eine umfangreiche Medienkampagne geplant und umgesetzt. Ziel des Projektes ist es in Ex-Jugoslawien Angehörige der in Luckenwalde verstorbenen Kriegsgefangenen zu finden, um mehr über die Personen und Schicksale in Erfahrung zu bringen.
Art: internationale Begegnung, Medienkampagne
Jahr: 2021-2022
Zeitraum: mehrere Monate
Teilnehmer:innen: junge Erwachsene aus Deutschland und Serbien
Sprache: Englisch, Deutsch, Serbisch
Material: Dokumentarfilm "Steinernde Erinnerungen", Webseite, Medienkampagne

Film: "Steinernde Erinnerungen"

Nach monatelanger Arbeit konnten wir den Dokumentarfilm über den unbekannten jugoslawischen Friedhof in Luckenwalde (Brandenburg) fertigstellen.

 

Unser deutsch-serbisches Projekt startete im Mai 2021 und endete im Februar 2022. Über mehrere Monate hinweg haben wir das Kriegsgefangenenlager Stalag III A bei Luckenwalde (Brandenburg) und das Schicksal der dort während des Zweiten Weltkrieges internierten jugoslawischen Kriegsgefangenen behandelt. Von diesem Lager existiert heute nur noch der versteckt gelegene Friedhof hinter einem Gewerbegebiet am Ende einer Sackgasse.

Mithilfe einer Kampagne in den Sozialen Medien sind wir auf die Suche nach Angehörigen gegangen - und fündig geworden!

 

Ergebnisse

Nach der Veröffentlichung unserer Suche erhielten wir eine Nachricht von Aleksandra, die die Geschichte ihres Urgroßvaters erzählte, der ein Gefangener im Stalag III A war. Obwohl viele Dokumente während des Krieges verbrannt und verloren wurden, half uns Alexandra, mehr über Spiros Leben zu erfahren. Spiro Komatina wurde in der Nähe von Skopje in Reserve gefangen genommen. Es wird angenommen, dass er im April festgenommen wurde, als in Jugoslawien der Krieg begann. Nach seiner Gefangennahme wurde er zusammen mit vielen anderen Gefangenen mit dem Zug in deutsche Lager geschickt. Er starb am ersten Tag nach seiner Ankunft in Luckenwalde am 16. Mai 1941. Die Todesursache ist nicht sicher, aber es wird vermutet, dass er in Wien Wasser aus der Donau trank und daraufhin krank wurde. Eine andere Geschichte besagt, dass er an Typhus starb. Amtliche Dokumente, die in den Arolsen Archives verfügbar sind, besagen, dass er an Ruhr gestorben ist.

Liste Stalag III A

Aufgrund der Verfolgung der Serben im Zweiten Weltkrieg musste Spiros Familie aus Živalići bei Novi Pazar auf den Berg Golija fliehen und alles zurücklassen. Alle Dokumente sind verloren gegangen und Spiros Geburtsdatum ist daher unbekannt. Sein erster Sohn war weniger als zwei Jahre alt, als er im Lager war, und seine Frau war damals im siebten Monat schwanger. Er hatte auch eine Tochter, die jedoch im Krieg starb. Sein Vater Radosav, der den Ersten Weltkrieg an der Thessaloniki-Front überlebte, war ein Militärinvalide. Spiros Mutter starb im Krieg, als sie ihre Tochter beschützte. Geschichten über ihn sind vor allem wegen Veljko Komatina bekannt, einem Cousin, der ebenfalls im Lager war. Mit Hilfe der Bauern errichtete er für ihn einen Grabstein, der heute in Luckenwalde steht.

Grabstein Stalag III A

Als der Krieg zu Ende war, wartete die Familie sehnsüchtig auf seine Ankunft, aber alle kehrten ins Dorf zurück, außer ihm und Aleksić aus dem benachbarten Tvrdoševo. Veljko Komatina lebt nicht mehr in Serbien, und wir haben keinen Kontakt zu ihm, aber wir haben ein Bild von ihm neben Spiros Grabstein. Er brachte das Foto mit nach Hause, um den Hinterbliebenen etwas zu hinterlassen. Bei Spiros Sohn, Alexandras Großvater, hängt dieses Bild immer noch an der Wand. Leider ist außer diesem Foto kein Bild von ihm erhalten geblieben.

Grabstein Spiro Komatina
Grabstein Spiro Komatina

Erinnerungen aus dem Stalag III A

Anfang Februar 2022 kontaktierte uns Tatjana Milanović aus Frankfurt/Main. Sie ist Autorin des Romans „Stalag III B“, in dem sie sich mit dem Schicksal ihres Ur-Großvaters Bozidar, Bosko Stankovic aus dem Dorf Jasunja bei Leskovac, auseinandersetzt, der als Angehöriger der jugoslawischen Königlichen Armee Gefangener im Stalag III war B-Lager in Fürstenberg/Oder war, an der Grenze zu Polen. Beide Lager befanden sich im Wehrkreis III (Berlin).

Unter Verwendung verschiedener verfügbarer Dokumente sowie der Zeitschrift "Kolo", dem Amtsblatt der Quisling-Regierung von Milan Nedic im besetzten Serbien (das keine genauen Informationen übermittelte, da es die Regierung war, die dem deutschen Besatzungsapparat diente). Tatjana erzählte die Geschichte nicht nur von ihrem Großvater, sondern auch von anderen Häftlingen. In ihrem Roman wird mehrfach das Lager Stalag III A in Luckenwalde erwähnt, weil die Lagerinsassen aus dem Stalag III B nach dem Einmarsch der Sowjets an der Grenze zu Polen nach Luckenwalde deportiert wurden. Zur Veranschaulichung fügen wir einen Auszug aus dem Roman „Stalag III B“ und Teile der Zeitschrift „Kolo“ zum Thema Stalag III A bei und danken Tatjana nochmals für ihre Mitarbeit und Hilfe.

LUKENVALD

Sie fanden sich an derselben Kreuzung wieder, wo die Straße die Eisenbahn kreuzt, wo vor vier Jahren die erste Gruppe Jugoslawen vom Zug getrennt und ins Stalag III A gebracht wurde. Das war das Ziel dieses Marsches. Am Eingang des Lagers befand sich ein großer Friedhof, der nach Nationalitäten geteilt war. Es gab überall keine deutlichen Zeichen, aber sie begruben Jugoslawen, Polen, Tschechen und Muslime zusammen an einem Ort, und sie nannten es Jugoslawen. Sie erreichten das Lager. Schon vor ihrer Ankunft überfüllt, verbreitete das Lager einen Gestank, der in gefrorene Nasenlöcher drückte.

In den Kasernen und Backsteingebäuden war lange kein Platz für neue, also wurden auf den freien Plätzen zwischen den Backsteingebäuden riesige Zelte aufgestellt. Bei minus zwanzig Grad war das Zelt nur ein einziger dicker Regenmantel (..). Er schützte sie nicht vor der Kälte. Darin lagen nur Strohhaufen, über die sie ihre Habseligkeiten legten und daraus ein Bett machten. Außerhalb des Lagerzauns konnten sie in Begleitung von Wachen Äste sammeln, um sie aus einem Schneehaufen zu graben oder von niedrigeren Bäumen zu reißen. Es war schwierig, die gefrorenen Äste mit der Hand zu brechen, und sie bekamen keine Äxte, also kletterten sie auf Bäume, um sie mit den Füßen abzuschlagen. Sie zündeten ein Feuer von innen an und wärmten sich daran, indem sie Rauch schluckten. Die Nächte waren schrecklich. Um nicht zu erfrieren und im Schlaf zu sterben, schliefen sie eng aneinander, bekleidet und über dem Kopf bedeckt. Die gemauerten Gebäude und Kasernen waren überfüllt, aber wärmer.

"Seit die Russen gekommen sind, sind wir am Arsch", sagte Bosko und steckte seine Nase in den Rücken eines anderen, der sich hinlegte. Unter den Decken wurde gelacht. Dort verbrachten sie die nächsten drei Monate, frierend und hungrig. Es gab keine Arbeit, von der man Essen als Belohnung bekommen konnte; Pakete kamen nicht an, Essensrationen endeten bei hungrigen Wachen. Ein Häftling, ein Reservist aus Serbien, verbrachte die gesamte Gefangenschaft bei seinem Sohn Radjenovics. Und der junge Mann war ein großer Mann. (..) Es war schwer zu sehen, wie sie beide verhungerten. Sie durften nachts nicht im Lager herumlaufen, tagsüber langweilten sie sich, stritten sich oft, waren nervös, verängstigt und hungrig. Sie entleerten sich in gegrabenen flachen Kanälen außerhalb des Lagers, direkt neben dem Zaun, damit die Wachen sie sehen konnten. Sie würden den Ort mit Schnee abdecken, damit sich der Gestank nicht weiter ausbreiten würde. Sie dachten nicht daran wegzulaufen. Wohin würden sie auch gehen, falls sie nicht von einer Kugel getroffen würden?

Im Winter badeten sie nicht die Menschen. Ein Brunnen im Hof, wo einige tausend Menschen Schlange standen, reichte nicht aus, um alle mit Trinkwasser zu versorgen. Die Backsteinbaracken waren so überfüllt, dass die Leute über die Strohlager gingen, die zwischen den Betten auf dem Boden aufgereiht waren. Der Platz in der Kaserne wurde durch eine Verbindung zu einigen Offizieren erreicht, die seit Kriegsbeginn im Stalag waren, und natürlich, wenn der Platz geräumt wurde, wenn jemand auf den Friedhof in der Nähe des Lagers verlegt wurde. Diese drei Monate waren für sie die schwersten, seit sie nach Deutschland gebracht wurden.

Im April war das Leben etwas leichter, es war wärmer, der Tag war länger, also war die Stimmung unter den Häftlingen besser. Die Amerikaner organisierten das Glücksspiel, das nun international war, weil sie sich nicht mit Stacheldraht abgrenzten und diejenigen, die leidenschaftlich am Glücksspiel interessiert waren, es leichter fanden, sich von den Werten zu trennen, die sie während des Krieges bewahrt hatten. Bosko und Andreja spielten ajnc mit einem Amerikaner. Als großen Einsatz bereitete Bosko eine Schnupftabakdose vor, die er bei seiner Ankunft in Luckenwalde neben dem Wachhäuschen fand. Er bewahrte es in seiner Innentasche auf und zeigte es nur Ljubisa. Auf der Schnupftabakdose waren drei russische Buchstaben, Initialen, eingraviert, aber sie muss einem Wachmann aus der Tasche gefallen sein; Die Russen haben seit langem nichts Wertvolleres als das Leben. Wer weiß, ob ein Russe mit dieser Schnupftabakdose sein Leben gerettet hat oder ob er deswegen ums Leben gekommen ist. Darin befanden sich auch drei selbstgedrehte Zigaretten. Er stahl sie, als er das Lager verließ, um sich zu entleeren. Er würde anhalten, damit ihn niemand sehen könnte, und er hoffte, dass der Zigarettenrauch die Menschen auf der anderen Seite des Drahtes nicht erreichen würde. Die dünne, halbe Zigarette brannte schnell, also versuchte er, nicht den ganzen Rauch auf einmal herauszubekommen. Er würde sanft ziehen, als ob er, anstatt zu schreien, flüstern und den Rauch in seiner Lunge halten würde. Sein Mund füllte sich mit der von schlechtem, faulem Tabak. Aber er genoss es und blinzelte, als der Rauch seine Wimpern berührte.

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Das Projekt wurde gefördert durch die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung, Zukunft EVZ" und dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (Brandenburg).Mit tatkräftiger und engagierter Unterstützung des Heimatmuseums Luckenwalde sowie des Straßen-, Grünflächen- und Straßenamtes der Stadt Luckenwalde.Vielen Dank auch an Sprecher Christian Näthe (http://christiannaethe.de/) sowie Chaos Audio Production Potsdam (https://chaos-audio.de/).

Projekt & Projektwoche

Im Deptember 2021 trafen sich im Projekthaus Potsdam junge Erwachsene aus Brandenburg und Serbien, um anhand eines konkretes Projektes "History From Below" zu machen. Das heißt, dass wir uns abseits akademischer Strukturen einem historischen Thema genähert haben, gemeinsam in die Geschichte eingetaucht sind und einen Beitrag leisten wollten, dass diese Geschichte nicht vergessen wird.

Wir haben uns intensiv mit dem jugoslawischen Friedhof des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers STALAG III A in Luckenwalde. Bei einem Arbeitseinsatz haben wir den Friedhof gesäubert und das Projekt mit der Kamera begleitet. Teil des Projektes ist das Erstellen eines Dokumentarfilmes in Serbisch und Deutsch, mit dem im ehemaligen Jugoslawien Angehörige der Kriegsgefangenen des Stalags III A gesucht werden. Begleitet wird das Projekt durch eine Medienkampagne mit Nutzung Sozialer Medien wie Facebook und Instagram.

Während der Projektwoche haben wir zusätzlich verschiedene Workshops und Seminare durchgeführt, bei denen es um Themen wie Medien, Public History, Geschichtswerkstätten usw. ging.

Stalag III A Luckenwalde

 

Ein Ergebnis der Projektwoche war die Dokumentation des Friedhofes, das Erstellen einer Liste mit den in Luckenwalde Verstorbenen sowie eines Lageplanes, sodass Angehörige die Gräber zuordnen und finden können. Der Lageplan und die Namesliste sind in Serbisch/Kroatisch, da diese Informationen mittels einer Medienkampagne (Presseartikel, Social Media Kampagne) in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens verbreitet wurden.

Friedhofskarte Jugoslawischer Friedhof Stalag III A

Namensliste Jugoslawen Stalag III A

 

Förderung und Unterstützung

Das Projekt wurde finanziell unterstützt von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ) sowie vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg.

 

 

Des Weiteren möchten wir uns ganz herzlich bei Roman Schmidt und dem HeimatMuseum Luckenwalde sowie der Friedhofsverwaltung Luckenwalde bedanken, die durch Rat und Tat das Projekt unterstützt haben.

 

 

Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Stalag III A

(Text: HeimatMuseum Luckenwalde)

Friedhof  des ehem. Kriegsgefangenenlagers und Gedenkstätte

Das Friedhofsgelände hat eine Gesamtgröße von ca. 7500 qm und gliedert sich in vier Teilbereiche.

1. Italienischer Teil

1992 wurden 215 italienische Kriegstote exhumiert und nach Italien überführt. Auf den ehemaligen Gräberfeldern befinden sich jetzt Rasenflächen. Dieser Teil des Friedhofs wurde auch nach Kriegsende von Umsiedlern, die im Lager untergebracht wurden, weiterbelegt. Einige dieser Grabstellen sind mit Grabsteinen noch vorhanden.

2. Französischer Teil

Die auf dem Lagerfriedhof beerdigten Franzosen wurden unmittelbar nach Kriegsende durch eine französische Militärkommission umgebettet. Es wird vermutet, dass auf diesem Teil des Friedhofs auch die Toten der übrigen Westalliierten bestattet waren. Eine Militärkommission Großbritanniens hat britische Verstorbene ebenfalls umgebettet.

3. Jugoslawischer Teil

Im Randbereich befinden sich beidseitig des Weges drei Grabreihen, die mit liegenden Kunststeintafeln, auf denen die Namen der Kriegsopfer aus dem ehem. Jugoslawien eingearbeitet wurden, gekennzeichnet sind. In diesem Teil des Friedhofs sind auch polnische und tschechische Tote sowie Muslime beigesetzt

4. Sowjetischer Teil

Im ehem. sowjetischen Teil des Friedhofs sind heute 38 Grabfelder durch Kantensteineinfassungen gekennzeichnet. Der Vergrößerung eines Luftbildes vom 9. April 1945 ist zu entnehmen, dass die damalige Struktur des sowjetischen Teils des Friedhofes eine andere war als die, die heute erkennbar ist. Das Luftbild zeigt auf dem sowjetischen Teil des Friedhofs auf der gleichen Fläche 71 Massengräber in vier Reihen.

Stalag III A in Luckenwalde

Das Stalag III A 1939 - 1945

Planung und Aufbau des Lagers

Das Kriegsgefangenenlager Stalag III A 1942

Bereits vor dem deutschen Überfall auf Polen wurde in Luckenwalde ein sog. Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager (Stalag) geplant, in dem Kriegsge- fangene, die nicht Offiziersrang besaßen, untergebracht werden sollten. Das Lager war dem Oberkommando der deutschen Wehrmacht (OKW) unterstellt.
Es sollte 10.000 Mann aufnehmen können und galt in seinem Aufbau als Vorbild für die anderen Lager im Reichsgebiet. Es war das größte Lager im Wehrkreis III (Berlin - Brandenburg). Mitte September 1939 trafen die ersten polnischen Kriegsgefangenen ein. Sie wurden in Zelten (12 x 35 m) untergebracht und begannen mit dem Aufbau der Baracken und der anderen Gebäude, die im Winter fertiggestellt waren. Der gesamte Komplex des Lagers umfasste etwa 100 Gebäude und 50 Zelte.

Die Kriegsgefangenen

Nach den polnischen Kriegsgefangenen folgten die Gefangenen des Westfeldzuges, zunächst Niederländer und Belgier, die jedoch nur kurz im Lager verblieben. Die 40.000 französischen Gefangenen, die ab dem Sommer 1940 nach Luckenwalde kamen, bildeten bis zum Kriegsende 1945 die größte Kriegsgefangenengruppe.
Den Kriegsschauplätzen folgend wurden 1941 zunächst jugoslawische ("südöstliche"), serbische und Ende des Jahres sowjetische Gefangene nach Luckenwalde gebracht. Nach dem Frontenwechsel Italiens kamen 1943 binnen kürzester Zeit rund 16.000 italienische Militärinternierte, von denen aber der größte Teil rasch auf andere Lager verteilt wurde. Gegen Kriegsende wurden amerikanische, rumänische und erneut britische und polnische Gefangene in das Lager verbracht, so dass im Verlauf des Krieges die Angehörigen von über zehn kriegsführenden Nationen im Luckenwalder Stalag III A gefangen gehalten waren.

Das Lager wurde in der Regel nach den Richtlinien der Genfer Konvention und der Haager Landkriegsordnung betrieben, die unter anderem den Briefverkehr und die Hilfesendungen von karitativen Organisationen regelten. Bis zum Schluss kontrollierte dies regelmäßig das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK). Die Angehörigen der Roten Armee waren von solchen Kontrollen und Hilfeleistungen ausgeschlossen. Sie hatten wesentlich schlechtere Lebensbedingungen und genossen nicht den Schutz durch die Genfer Konvention, weil die UdSSR das Abkommen nicht unterzeichnet hatte. Außerdem betrachtete Stalin die sowjetischen Kriegsgefangenen als Vaterlandsverräter. Sie waren also in doppelter Hinsicht vogelfrei.

Arbeitskommandos und Arbeitseinsätze

Über 200.000 Gefangene vieler Nationalitäten durchliefen das Stalag III A. Nach Erfassung persönlicher Daten, Registrierung und Gesundheitskontrolle im Lager wurden die meisten Gefangenen in kleinere Lager der einzelnen Arbeitskommandos für Land- und Forstwirtschaft sowie der Industrie überführt oder in andere Stammlager gebracht. Die schätzungsweise über 1.000 Arbeitskommandos des Luckenwalder Lagers verteilten sich über das Gebiet des heutigen Landes Brandenburg. Im Verwaltungsbereich des Stalag III A befanden sich durchgehend 40.000 Kriegsgefangene. Im Stammlager selbst waren maximal 6.000 - 8.000 Mann.
Bei der Behandlung und Versorgung der Kriegsgefangenen wurden je nach Nationalität Unterschiede gemacht. Während die "Westgefangenen" (z. B. Briten und Amerikaner) gut verpflegt wurden, starben zahlreiche italienische Militärinternierte und sowjetische Kriegsgefangene an den Folgen schlechter Behandlung.

Sterben im Stalag

Beisetzung auf dem Stalagfriedhof 1942

Nach dem bisherigen Kenntnisstand starben im Stalag III A ca. 4.000 - 5.000 Gefangene. Allein im strengen Winter 1941/42 sind bei einer Fleckfieberepidemie rund 2.000 bis 2.500 tote sowjetische Gefangene zu beklagen. Noch im Frühjahr 1942 wurden die sowjetischen Gefangenen zunächst nur begrenzt zur Arbeit eingesetzt, da sie in äußerst schlechter körperlicher Verfassung ankamen und erst gesundheitlich stabilisiert werden mussten.
Die Sterblichkeit der sowjetischen Gefangenen war gerade im Vergleich mit der anderer Nationen außerordentlich hoch. Die Todesursachen der nicht sowjetischen Gefangenen waren vielfältig, meist jedoch verstarben sie an Infektionskrankheiten, insbesondere an Tuberkulose. Vereinzelt wurden in den Sterbeurkunden unnatürliche Todesursachen verzeichnet. Dazu zählten Selbstmord, Erschießung auf der Flucht oder Versterben infolge einer Verletzung oder eines Arbeitsunfalls. Nicht sowjetische Gefangene wurden im Todesfall mit militärischen Ehren auf dem Stalag-Friedhof in Einzelgräbern bestattet. Die sowjetischen Toten wurden anonym in Massengräbern begraben.

Endphase

Anfang 1945, als die Rote Armee die Oder erreichte, wurde das Stalag III B in Fürstenberg evakuiert. Die Insassen dieses Lagers machten auf ihrem Weg für einige Wochen in Luckenwalde Station, was zu einer heillosen Überfüllung und zu katastrophalen hygienischen Verhältnissen führte. Noch in den letzten Kriegswochen wurde für das Lager ein Kampfkommandant ernannt. Eine militärische Verteidigung erübrigte sich glücklicherweise, da sich die deutschen Wachmannschaften und Offiziere vor dem Eintreffen der sowjetischen Truppen Richtung Westen absetzten.

Am 22. April 1945 wurde das Stalag III A von der Roten Armee befreit.

Zur Geschichte des Kriegsgefangenenlagers befinden sich im Heimatmuseum Luckenwalde ein Gedenkraum und ein Archiv. Dort erhalten Sie mehrsprachige Begleitbroschüren und finden im Archivbereich weitere Dokumentationen und Archivalien über das Kriegsgefangenenlager.