Jugoslawische Kriegsgefangene im Stalag III A

Titel: Jugoslawische Kriegsgefangene im Stalag III A
Thema: Unter dem Titel "History From Below" hat sich eine international zusammengesetzte Gruppe junger Erwachsener über einen längeren Zeitraum intensiv mit der Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Stalag III A bei Luckenwalde auseinandergesetzt. Bei dem Projekt ging es um das Schicksal der jugoslawischen Kriegsgefangenen aus dem Zweiten Weltkrieg. Der jugoslawische Friedhof in Luckenwalde wurde bei einem Arbeitseinsatz gepflegt, das Projekt mit einer Kamera begleitet, theoretische Kenntnisse zur Geschichtsvermittlung und Medienkampagnen erworben und eine umfangreiche Medienkampagne geplant und umgesetzt. Ziel des Projektes ist es in Ex-Jugoslawien Angehörige der in Luckenwalde verstorbenen Kriegsgefangenen zu finden, um mehr über die Personen und Schicksale in Erfahrung zu bringen.
Art: internationale Begegnung, Medienkampagne
Jahr: 2021-2022
Zeitraum: mehrere Monate
Teilnehmer:innen: junge Erwachsene aus Deutschland und Serbien
Sprache: Englisch, Deutsch, Serbisch
Material: Dokumentarfilm, Webseite, Medienkampagne

Projekt & Projektwoche

Im Deptember 2021 trafen sich im Projekthaus Potsdam junge Erwachsene aus Brandenburg und Serbien, um anhand eines konkretes Projektes "History From Below" zu machen. Das heißt, dass wir uns abseits akademischer Strukturen einem historischen Thema genähert haben, gemeinsam in die Geschichte eingetaucht sind und einen Beitrag leisten wollten, dass diese Geschichte nicht vergessen wird.

Wir haben uns intensiv mit dem jugoslawischen Friedhof des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers STALAG III A in Luckenwalde. Bei einem Arbeitseinsatz haben wir den Friedhof gesäubert und das Projekt mit der Kamera begleitet. Teil des Projektes ist das Erstellen eines Dokumentarfilmes in Serbisch und Deutsch, mit dem im ehemaligen Jugoslawien Angehörige der Kriegsgefangenen des Stalags III A gesucht werden. Begleitet wird das Projekt durch eine Medienkampagne mit Nutzung Sozialer Medien wie Facebook und Instagram.

Während der Projektwoche haben wir zusätzlich verschiedene Workshops und Seminare durchgeführt, bei denen es um Themen wie Medien, Public History, Geschichtswerkstätten usw. ging.

Stalag III A Luckenwalde

Förderung und Unterstützung

Das Projekt wurde finanziell unterstützt von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ) sowie vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg.

 

 

Des Weiteren möchten wir uns ganz herzlich bei Roman Schmidt und dem HeimatMuseum Luckenwalde sowie der Friedhofsverwaltung Luckenwalde bedanken, die durch Rat und Tat das Projekt unterstützt haben.

 

 

Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Stalag III A

(Text: HeimatMuseum Luckenwalde)

Friedhof  des ehem. Kriegsgefangenenlagers und Gedenkstätte

Das Friedhofsgelände hat eine Gesamtgröße von ca. 7500 qm und gliedert sich in vier Teilbereiche.

1. Italienischer Teil

1992 wurden 215 italienische Kriegstote exhumiert und nach Italien überführt. Auf den ehemaligen Gräberfeldern befinden sich jetzt Rasenflächen. Dieser Teil des Friedhofs wurde auch nach Kriegsende von Umsiedlern, die im Lager untergebracht wurden, weiterbelegt. Einige dieser Grabstellen sind mit Grabsteinen noch vorhanden.

2. Französischer Teil

Die auf dem Lagerfriedhof beerdigten Franzosen wurden unmittelbar nach Kriegsende durch eine französische Militärkommission umgebettet. Es wird vermutet, dass auf diesem Teil des Friedhofs auch die Toten der übrigen Westalliierten bestattet waren. Eine Militärkommission Großbritanniens hat britische Verstorbene ebenfalls umgebettet.

3. Jugoslawischer Teil

Im Randbereich befinden sich beidseitig des Weges drei Grabreihen, die mit liegenden Kunststeintafeln, auf denen die Namen der Kriegsopfer aus dem ehem. Jugoslawien eingearbeitet wurden, gekennzeichnet sind. In diesem Teil des Friedhofs sind auch polnische und tschechische Tote sowie Muslime beigesetzt

4. Sowjetischer Teil

Im ehem. sowjetischen Teil des Friedhofs sind heute 38 Grabfelder durch Kantensteineinfassungen gekennzeichnet. Der Vergrößerung eines Luftbildes vom 9. April 1945 ist zu entnehmen, dass die damalige Struktur des sowjetischen Teils des Friedhofes eine andere war als die, die heute erkennbar ist. Das Luftbild zeigt auf dem sowjetischen Teil des Friedhofs auf der gleichen Fläche 71 Massengräber in vier Reihen.

Stalag III A in Luckenwalde

Das Stalag III A 1939 - 1945

Planung und Aufbau des Lagers

Das Kriegsgefangenenlager Stalag III A 1942

Bereits vor dem deutschen Überfall auf Polen wurde in Luckenwalde ein sog. Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager (Stalag) geplant, in dem Kriegsge- fangene, die nicht Offiziersrang besaßen, untergebracht werden sollten. Das Lager war dem Oberkommando der deutschen Wehrmacht (OKW) unterstellt.
Es sollte 10.000 Mann aufnehmen können und galt in seinem Aufbau als Vorbild für die anderen Lager im Reichsgebiet. Es war das größte Lager im Wehrkreis III (Berlin - Brandenburg). Mitte September 1939 trafen die ersten polnischen Kriegsgefangenen ein. Sie wurden in Zelten (12 x 35 m) untergebracht und begannen mit dem Aufbau der Baracken und der anderen Gebäude, die im Winter fertiggestellt waren. Der gesamte Komplex des Lagers umfasste etwa 100 Gebäude und 50 Zelte.

Die Kriegsgefangenen

Nach den polnischen Kriegsgefangenen folgten die Gefangenen des Westfeldzuges, zunächst Niederländer und Belgier, die jedoch nur kurz im Lager verblieben. Die 40.000 französischen Gefangenen, die ab dem Sommer 1940 nach Luckenwalde kamen, bildeten bis zum Kriegsende 1945 die größte Kriegsgefangenengruppe.
Den Kriegsschauplätzen folgend wurden 1941 zunächst jugoslawische ("südöstliche"), serbische und Ende des Jahres sowjetische Gefangene nach Luckenwalde gebracht. Nach dem Frontenwechsel Italiens kamen 1943 binnen kürzester Zeit rund 16.000 italienische Militärinternierte, von denen aber der größte Teil rasch auf andere Lager verteilt wurde. Gegen Kriegsende wurden amerikanische, rumänische und erneut britische und polnische Gefangene in das Lager verbracht, so dass im Verlauf des Krieges die Angehörigen von über zehn kriegsführenden Nationen im Luckenwalder Stalag III A gefangen gehalten waren.

Das Lager wurde in der Regel nach den Richtlinien der Genfer Konvention und der Haager Landkriegsordnung betrieben, die unter anderem den Briefverkehr und die Hilfesendungen von karitativen Organisationen regelten. Bis zum Schluss kontrollierte dies regelmäßig das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK). Die Angehörigen der Roten Armee waren von solchen Kontrollen und Hilfeleistungen ausgeschlossen. Sie hatten wesentlich schlechtere Lebensbedingungen und genossen nicht den Schutz durch die Genfer Konvention, weil die UdSSR das Abkommen nicht unterzeichnet hatte. Außerdem betrachtete Stalin die sowjetischen Kriegsgefangenen als Vaterlandsverräter. Sie waren also in doppelter Hinsicht vogelfrei.

Arbeitskommandos und Arbeitseinsätze

Über 200.000 Gefangene vieler Nationalitäten durchliefen das Stalag III A. Nach Erfassung persönlicher Daten, Registrierung und Gesundheitskontrolle im Lager wurden die meisten Gefangenen in kleinere Lager der einzelnen Arbeitskommandos für Land- und Forstwirtschaft sowie der Industrie überführt oder in andere Stammlager gebracht. Die schätzungsweise über 1.000 Arbeitskommandos des Luckenwalder Lagers verteilten sich über das Gebiet des heutigen Landes Brandenburg. Im Verwaltungsbereich des Stalag III A befanden sich durchgehend 40.000 Kriegsgefangene. Im Stammlager selbst waren maximal 6.000 - 8.000 Mann.
Bei der Behandlung und Versorgung der Kriegsgefangenen wurden je nach Nationalität Unterschiede gemacht. Während die "Westgefangenen" (z. B. Briten und Amerikaner) gut verpflegt wurden, starben zahlreiche italienische Militärinternierte und sowjetische Kriegsgefangene an den Folgen schlechter Behandlung.

Sterben im Stalag

Beisetzung auf dem Stalagfriedhof 1942

Nach dem bisherigen Kenntnisstand starben im Stalag III A ca. 4.000 - 5.000 Gefangene. Allein im strengen Winter 1941/42 sind bei einer Fleckfieberepidemie rund 2.000 bis 2.500 tote sowjetische Gefangene zu beklagen. Noch im Frühjahr 1942 wurden die sowjetischen Gefangenen zunächst nur begrenzt zur Arbeit eingesetzt, da sie in äußerst schlechter körperlicher Verfassung ankamen und erst gesundheitlich stabilisiert werden mussten.
Die Sterblichkeit der sowjetischen Gefangenen war gerade im Vergleich mit der anderer Nationen außerordentlich hoch. Die Todesursachen der nicht sowjetischen Gefangenen waren vielfältig, meist jedoch verstarben sie an Infektionskrankheiten, insbesondere an Tuberkulose. Vereinzelt wurden in den Sterbeurkunden unnatürliche Todesursachen verzeichnet. Dazu zählten Selbstmord, Erschießung auf der Flucht oder Versterben infolge einer Verletzung oder eines Arbeitsunfalls. Nicht sowjetische Gefangene wurden im Todesfall mit militärischen Ehren auf dem Stalag-Friedhof in Einzelgräbern bestattet. Die sowjetischen Toten wurden anonym in Massengräbern begraben.

Endphase

Anfang 1945, als die Rote Armee die Oder erreichte, wurde das Stalag III B in Fürstenberg evakuiert. Die Insassen dieses Lagers machten auf ihrem Weg für einige Wochen in Luckenwalde Station, was zu einer heillosen Überfüllung und zu katastrophalen hygienischen Verhältnissen führte. Noch in den letzten Kriegswochen wurde für das Lager ein Kampfkommandant ernannt. Eine militärische Verteidigung erübrigte sich glücklicherweise, da sich die deutschen Wachmannschaften und Offiziere vor dem Eintreffen der sowjetischen Truppen Richtung Westen absetzten.

Am 22. April 1945 wurde das Stalag III A von der Roten Armee befreit.

Zur Geschichte des Kriegsgefangenenlagers befinden sich im Heimatmuseum Luckenwalde ein Gedenkraum und ein Archiv. Dort erhalten Sie mehrsprachige Begleitbroschüren und finden im Archivbereich weitere Dokumentationen und Archivalien über das Kriegsgefangenenlager.