Unsichtbares Gedenken

Ähnlich Stolpersteinen sind sie in den Zugang zur Einkaufsstraße in den Boden und Häuserwände eingebracht worden – Erinnerungen an Menschen, die 1849 in Wuppertal – Eberfeld für Demokratie und Freiheit im Kampf gegen preußische Truppen ihr Leben gelassen haben. Im Alltagstrubel sind sie kaum wahrnehmbar, Menschen laufen drüber oder vorbei.

Aber es gibt sie wenigstens – die Spuren einer Revolution in Deutschland. Anderswo ist längst alles getilgt, vergessen oder haben es nie in die öffentliche Erinnerung geschafft.

Jedes Jahr feiern wir am 9. November den Mauerfall, gedenken nebenbei noch ein wenig der Opfer der Kristallnacht. Das am 9. November 1918 Hunderttausende Menschen „nach 4 Jahren Krieg und Hunger“ – wie Sebastian Haffner schrieb – den Mut hatten sich gegen Obrigkeitsstaat und Militarismus aufzulehnen und den Krieg zu beenden – daran gedenkt man heute nicht.

Im Rheinland 2019 haben wir ganz viele kleine und große Denkmäler gesehen. Da wird in jedem kleinen Dorf an die Gefallenen (oft „Helden“) der Weltkriege gedacht. An vielen Stellen gibt es große Statuen von Fürsten und Königen der vergangenen feudalen Epochen. Nur die Erinnerungen an Protest, Widerstand und Revolutionen sind im öffentlichen Bild kaum zu finden. Manchmal gibt es kleine, zeitlich begrenzte Ausstellungen, manchmal entdeckt man auf Friedhöfen Inschriften, die daran erinnern, dass hier Menschen begraben liegen, die bei revolutionären Ereignissen den Tod gefunden haben.

Eine schöne und wichtige Ausnahmen haben wir im „Engelsgarten“ in Wuppertal gefunden, wo der Bildhauer Hrdlicka eine Statue des jungen Friedrich Engels entworfen und aufgestellt hat, der ja bei dem Kämpfen um Demokratie und Freiheit in der bürgerlich – demokratischen Revolution 1848/ 1849 dabei war. Aber auch da gab es nach unseren Informationen vor Ort jahrelange Streitigkeiten vor allem mit der CDU, die sich lange gegen ein solches Denkmal gewehrt hat.

Auch in Potsdam ist dies so spürbar.

Hier schlagen die Glocken der Garnisonkirche für verschiedene Reservisten – und Soldatenverbände der Kaiserzeit, wird die Militärkirche wieder aufgebaut und kann man an allen Ecken der Stadt die Denkmäler des fürstlichen Absolutismus in Preußen bestaunen.
Hinweise auf Menschen, die gegen Krieg, Militarismus und für Demokratie und Gerechtigkeit aufgestanden sind fehlen im Straßenbild fast völlig.

Erst in jüngerer Vergangenheit erinnert man sich in Potsdam Max Dortu, der in der Stadt geboren, in den Revolutionskämpfen in Baden gefangen genommen und als „Deserteur“ von preußischen Truppen erschossen wurde. Es gibt eine Dortu – Schule und seit 2 Jahren einen Max – Dortu – Preis.

2017 erinnerte der Schriftsteller und Journalist Dirk Kurbjuweit in seiner Laudation:

„Alle Revolutionen in Deutschland aber verband „leider, was Lenin meinte, als er sagte: Revolution in Deutschland, das wird nie etwas. Wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen sie sich noch eine Bahnsteigkarte“.

Wir aber sind uns einig: Es bedarf auch und gerade in Deutschland einer lebendigen, kritischen Erinnerung an Menschen, die sich bei revolutionären Ereignissen für Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit eingesetzt haben. Vor allem mit dem Blick auf das heutige Land ist es wichtig, diese Lebenseinstellung junger Menschen zu stärken: Sich zu wehren gegen Ungerechtigkeiten und sich zu engagieren für die eigene Zukunft!

K., E., C. aus Potsdam

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