Was andere zu Revolutionen sagen …

Sebastian Haffner „Die Deutsche Revolution 1918/ 1919“

“Noch heute gibt es viele Ebert – Deutsche, die jede Revolution hassen wie die Sünde, noch heute gibt es viele, die die Revolution von 1918 verleugnen wie ein Schandfleck der deutschen Geschichte.

Die Revolution ist kein Schandfleck. Sie war – besonders nach vier Jahren Hunger und Ausblutung – eine Ruhmestat. Ein Schandfleck ist der Verrat, der an ihr geübt wurde.

Gewiss ist Revolution nichts, was man zum Vergnügen macht, gewiss gehört es zur Staatskunst, Revolutionen möglichst durch vorbeugende Reformen zu vermeiden. Jede Revolution ist ein schmerzhafter, blutiger und schrecklicher Vorgang – wie eine Geburt. Aber eine Geburt ist wie jede gelungene Revolution zugleich ein schöpferischer, lebensspendender Vorgang.

Alle Völker, die eine große Revolution durchgestanden haben, blicken mit Stolz auf sie zurück: und jede siegreiche Revolution hat das Volk, das sie zustande brachte, für eine Weile groß gemacht: Holland und England im siebzehnten Jahrhundert ebenso wie in Amerika und Frankreich im achtzehnten und neunzehnten und Russlandund China im zwanzigsten.

Es sind nicht die siegreichen, es sind die erstickten und unterdrückten, die verratenen und verleugneten Revolutionen, die ein Volk krank machen.

Deutschland krankt an der verratenen Revolution von 1918 noch heute.”

 

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