Lavendelfelder und Coq au Vin?

Lavendelfelder und Coq au Vin? Delikate Käsesorten und idylische Dörfer? Philosophie in Cafes und Romantik an der Seine? Kannst es vergessen! Nordfrankreich ist weder Provance, noch Paris. Stattdessen ein zerfallenes Bergbaugebiet, unendliche Maisfelder, deindustrialisierte Städte, Arbeitslosigkeit, grimmige lokale Bevölkerung, die einen schweren Dialekt spricht, unzählige Militärfriedhöfe und brutal starke Sonne. Es ist eine Landschaft, die hundert Jahre später immer noch viele Narben militärischer Auseinandersetzungen zeigt: Vor allem sind viele Krater, die durch krasse gegenseitige Bombardierung zwei Kriegsseiten entstanden sind, nicht zu übersehen. Zeichen des Todes und sinnloser Zerstörung sind omnipräsent.

Gedenkstätten sind fast die einzigen touristischen Sehenswürdigkeiten. Unter den Touristen vorwiegend Menschen aus der Gegend, ab und zu ein Paar Deutsche oder Niederländer und ziemlich viele Briten, Kanadier und andere aus dem Comonwealth. Es scheint, sie sind die Einzigen, die sich daran erinnern, dass in dieser Gegend Irgendwas großes und tragisches stattfand. “Wir Franzosen sind sehr vergesslich geworden”, klagte sich bei mir ein lokaler Passant, mit dem ich zufällig vor dem Supermarkt in Arras ins Gespräch kam, “aber ihr Briten erinnert euch immer noch daran”. Wir Briten? In Griechenland dachten nicht wenige, dass ich ein Deutscher bin. In Frankreich bin ich als ein Englander erkannt. Am Ende hatte er mir sein Beileid in Bezug auf Brexit ausgesprochen. In diesem Moment kam an uns ein lokaler “Kollege” vorbei, eine Flasche Bier in einer Hand, eine Flasche Champagner in der Jackentasche. Na ja, schließlich war es schon 11 Uhr vormittags, kein Grund mehr, unvermeidbare noch mehr zu verschieben…

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